Totensonntag
Es ist der letzte Sonntag vor dem 1. Advent – der letzte Sonntag des Kirchenjahres und 1816 ordnete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen an, den Toten zu Gedenken. In manchen Gegenden wird er auch als Ewigkeitssonntag bezeichnet.
Dieser „Stille Feiertag“ ist kein gesetzlicher Feiertag. In einigen Bundesländern wie Bayern, gelten heute dennoch Regeln: Es herrscht Tanzverbot und es darf keine laute fröhliche Musik von morgens um 2 Uhr bis zum Ende des Tages gespielt werden. Das gilt auch für einige andere Tage im Kirchenjahr: Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und an Heiligabend ab 14 Uhr.
Innere Einkehr
Die dunkle Jahreszeit hilft uns dabei, nach innen zu schauen. Abseits vom Alltagstrubel, Geplappere und Lärm um uns herum. Menschen, die aktuell niemanden verloren haben, empfinden das vielleicht gerade als schwierig, sich auf diese Stille einzulassen. Für Trauernde steht zur Zeit möglicherweise jeder Tag unter der Überschrift „Schmerzliches Vermissen“. Daher sind Tage wie dieser, deshalb wichtig, um sich einerseits auf sich zu besinnen, der Toten zu gedenken und das möglichst im Kollektiv zu tun, damit an diesem Tag, die oft mangelnde Verbundenheit, etwas mehr zur Geltung kommen kann.
Grabschmuck
Sichtbar wird diese Verbundenheit beim heutigen Gang auf den Friedhof. Grabschmuck lässt sich bis in die Steinzeit zurück verfolgen. Heute am Totensonntag, werden die Gräber üblicherweise für den Winter liebevoll vorbereitet, mit Tannenzweigen abgedeckt und mit einem schönen Gesteck und einem Licht verziert. Gerade jetzt, wo es so früh dunkel wird, mutiert der Friedhof zu einem warmen Lichtermeer. Dieses Bild kann etwas Trost spenden und uns bis nach Hause begleiten. Aber was dann, um diese Andacht und Stille auch zu Hause noch zu fühlen, ohne dabei zu trostlos zu sein?
Zentanglen
Im Prinzip brauchst du nur ein Blatt Papier und einen Stift dazu. Mittlerweile breitet sich die Methode des Zentanglens vom englischsprachigen Raum immer weiter bis zu uns aus und es haben sich besondere Kunstformen entwickelt. Dabei handelt es sich ursprünglich um einfache aber immer wiederkehrende Muster, die aus Linien, Formen und Punkten bestehen. Normalerweise werden keine Worte darin verwendet und die Muster sind von allen Seiten anzuschauen. Es gibt also kein Oben oder Unten. Etwas dickeres Papier wird auf 9 x 9 cm zurecht geschnitten und die Muster mit einem möglichst wasserfesten schwarzen Fineliner, mit der Stärke 0,5 gezeichnet.
Ein Strich nach dem anderen
Diese Technik ist eine einfache Methode, die Kunst und Meditation verbinden soll. Dabei wirst du davon geleitet, absichtslos, ohne bestimmtes Ergebnis oder konkrete Vorstellungen, Strich für Strich, aus deiner inneren Mitte ein Muster entstehen zu lassen. Währendessen sollst du dich immer nur auf den nächsten Strich konzentrieren. Erstaunlich, aber wahr: Genau das hilft dir ruhiger zu werden und deine innere Mitte besser zu spüren.
Ein Totensonntag-Zentangle

Zur Zeit findet mein Online-Seminar „Wintergefühle“ statt. Du kannst noch jederzeit dazu kommen, wenn du möchtest. Diese Woche habe ich den Teilnehmerinnen „Intuitive Malerei“ und „Zentanglen“ vorgestellt. Heute bekam ich von Annette dieses spezielle Totensonntag-Zentangle. Es hat mich sehr berührt und ich finde es so passend für diesen Tag, dass ich sie gebeten habe, es für diesen Blogpost verwenden zu dürfen.
Dem Schmerz Ausdruck verleihen
Wenn wir trauern, fällt es uns oft schwer, uns einerseits zu konzentrieren und andererseits dem Verlust Ausdruck zu verleihen. Außerdem steht uns die Überzeugung im Weg, dass wir nicht talentiert genug sind, um zu schreiben, zu zeichnen oder zu malen. In älteren Posts von mir kannst du mehr über „Intuitive Malerei“ und „Zentanglen“ lesen. Denn diese Methoden, wie auch das Schreiben, gehören zu den meist unterschätzten Möglichkeiten, um schwere Erlebnisse und Schicksalsschläge zu verarbeiten.
Und genau das hat Annette heute zum ersten Mal ausprobiert und das hat sie darüber geschrieben: „Mir hat es gut getan, der Trauer durch das Zentangle Ausdruck geben zu können, egal was als Bild entsteht. Dann hab ich das Gefühl, die Trauer liegt vor mir und sie frisst mich nicht von innen auf. Ich werde in Zukunft noch viele Zentangles malen…“
Dem Schmerz einen Rahmen geben
Ja, es kann helfen und wenn wir nun so einem Zentangle noch einen Rahmen verpassen, ufert der Schmerz womöglich auch nicht mehr so aus. Die Trauer möchte ausgedrückt und gesehen werden und auch einen angemessenen Rahmen erhalten. Sie kann erstaunliche Kunstwerke hervorbringen, oder so wie heute, mit ein paar einfachen Linien, tief berühren.
Zentangle-Ramen

Einen Zentangle-Rahmen zu machen, ist ganz einfach: Du machst in jede Ecke, so wie auf dem Bild oben, einen kleinen Punkt und verbindest dann die Punkte mit Linien.
Mehr über mich und meine Angebote
Mehr über mich und meine Angebote zum Thema Krisen- und Trauerbegleitung und meine Bücher findest du unter trauerbegleiter.org. Dazu gehören auch Einzelcoachings, Online-Seminare und Seminar-Reisen. Für mein kostenfreies Newsletter-Magazin kannst du dich hier registrieren. Wenn du dich in einer schwierigen Lebenssituaion befindest, können dir manchmal ein paar Impulse auf deinem Weg in ruhigere Gefilde weiter helfen, den nächsten Schritt zu machen. Viele Hinweise findest du auf meiner Homepage unter „Impulse auf dem Weg“. Dann gibt es da noch den Podcast „Lebendig-Irgendwas geht immer“. Dort unterhalte ich mich mit Menschen, die im Bereich Krisen- und Trauer arbeiten oder selbst große Krisen und Verluste gemeistert haben. Und wenn du dich noch mehr zum Thema Krisen und Trauer informieren darüber möchtest, kannst du mal das Trauer-Radio einschalten. Neu hinzu gekommen sind die kostenfreien Gruppen bei WhatsApp, Telegram und Signal weiter unten. Hier gibt es Links zu Themen, die es nicht in meinen Newsletter oder auf meinen Blog geschafft haben, bzw. Nachrichten, wenn ich wieder etwas poste.
Hier kannst du die PDF für die Traumreise „Ich bin glücklich“ herunterladen, die du dir hier direkt anhören kannst. Verschiedene Traumreisen gibt es in meinen Büchern und Seminaren.
