Wenn Töne tragen – Musik in der Trauer, selbst gespielt: Vor kurzem habe ich in einem Beitrag auf diesem Blog hier nach Liedern für Trauerfeiern und Trauerbegleitung gefragt – besonders für Eltern, die ihr Kind verloren haben. Die Resonanz hat mich sehr berührt. Noch in der Nacht kam die erste Antwort – mit einer langen, liebevollen Liste an Vorschlägen. Danke dafür von Herzen.
Und dann kam noch eine zweite Nachricht. Dieselbe Person schrieb mir einen kleinen Tipp aus ihrem eigenen Weg durch den Schmerz: Sie spielt eine indianische Holzflöte – und diese Flöte hilft ihr.
Musik zu hören oder Musik selbst zu spielen hat verschiedene Qualitäten.
Musik hören – ein sicherer Raum für Gefühle
Wenn wir Musik hören, fühlen wir uns von ihr verstanden. Die Musik hört uns zu, gibt uns einen Kanal. Was da in uns feststeckt, macht die Musik plötzlich beweglich – so wird die Trauer von innen nach außen gebracht. Das wirkt erleichternd. Musik schafft einen Raum, in dem wir Gefühle zulassen dürfen, die sonst keinen Platz finden.
Selbst ein Instrument spielen – noch eine Stufe tiefer
Wer selber Musik macht, profitiert von einem positiveren Effekt auf die Hirnleistung als beim bloßen Zuhören – weil das Musizieren gleichzeitig die motorischen Zentren und Hörregionen des Gehirns anspricht. Aber es ist nicht nur die Neurologie. Es ist auch das Erleben: Ich atme, ich bewege mich, ich erzeuge selbst etwas. Ich bin nicht passiv dem Schmerz ausgeliefert, sondern ich tue etwas – auch wenn es nur ein einziger, langer Ton ist.
Was ein Klient darüber erzählt
Bei einem Klienten von mir war es beispielsweise so: Als klar war, dass seine Frau an Krebs sterben würde, hat sie sich Sorgen darüber gemacht, wie schwer es ihr Mann haben würde, wenn er um sie trauert. Noch während sie lebte, suchte sie ihm einen Gitarrenlehrer, schenkte ihm eine Gitarre und ließ sich von ihm versprechen, dass er damit weiterhin Musik machen würde, ganz gleich, was passiert. Als er mich nach ihrem Tod aufsuchte, bestätigte er mir, dass er oft das Gefühl habe, dass das Gitarre spielen, ihm in seinen dunkelsten Momenten sehr hilft.
Was geht leicht ohne Talent und Vorkenntnisse zu spielen?
Oft sind die Hürden in unseren Vorstellungen und auch in der Realität, ein Instrument zu spielen, sehr hoch. Anschaffung und Unterricht können kostspielig sein, die Instrumente brauchen Platz und es kann dauern, bis es uns gelingt, schöne Klänge damit hervorzuzaubern. Ich hatte einen sehr schnellen und leichten Zugang zum Musik machen, durch eine Veeh-Harfe.
Die Veeh-Harfe – ein Instrument aus Liebe
Die Geschichte der Veeh-Harfe beginnt auf einem Bauernhof in Gülchsheim. In der Familie Veeh wurde immer Hausmusik gemacht – Geige, Cello und Harmonium gehörten zum Alltag. Der Landwirt Hermann Veeh war auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas, der mit Down-Syndrom auf die Welt kam. Die Liebe zur Musik war Andreas in die Wiege gelegt, doch das Erlernen eines herkömmlichen Instruments schien unerreichbar.
Die Erinnerung an alte Saitenzupfinstrumente mit Notenschablonen gab den entscheidenden Impuls. An den Fähigkeiten seines Sohnes orientiert, entwickelte Hermann Veeh ein völlig neues Instrument – einfach in der Handhabung, ansprechend in der Form und bezaubernd im Klang. Hier geht es zum Interview mit Hermann Veeh: Klick!
Das Prinzip ist genial: Zwischen die Saiten und die Decke der Harfe wird ein spezielles Notenblatt geschoben, auf dem der Verlauf der Melodie mit Punkten markiert ist – die Noten werden buchstäblich begreifbar. Notenkenntnisse braucht man keine.
Aus den Anfängen als Instrument für Menschen mit Behinderung ist die Veeh-Harfe heute ein beliebtes Instrument für Kinder, Senioren und alle, die keine Noten kennen, aber gern Musik machen möchten. Der Klang ist wirklich zauberhaft.
Ein kleiner Hinweis: Die Veeh-Harfe ist etwas kostspieliger als zum Beispiel eine indianische Holzflöte. Aber sie ist von hoher handwerklicher Qualität – und sie ist ein Instrument, das wirklich ein Leben lang begleiten kann.
Die indianische Holzflöte – ein Instrument für alle
Die indianische Holzflöte, auf Englisch Native American Flute, hat eine besondere Eigenschaft, die sie von fast allen anderen Instrumenten unterscheidet: Sie kann ohne jegliche Notenkenntnisse einfach aus dem Herzen heraus gespielt werden. Dadurch dass sie pentatonisch Gestimmt ist und ihren von Natur aus warmen Klang lässt sie Menschen Weite und Verbindung zu sich selbst spüren.
Was bedeutet pentatonisch?
Eine pentatonische Stimmung bedeutet, dass die Flöte nur auf fünf Töne gestimmt ist – statt der üblichen sieben Töne einer normalen Tonleiter. Das Besondere daran: Diese fünf Töne harmonieren automatisch miteinander. Das heißt, egal welche Töne du spielst oder in welcher Reihenfolge – es klingt immer stimmig, nie falsch oder schräg. Genau deshalb kann man drauflosspielen, ohne Noten zu kennen oder vorher zu üben. Die Pentatonik findet sich übrigens in vielen Musikkulturen der Welt wieder – von der asiatischen Musik bis hin zu Blues und Folk. Sie gilt als eine der ursprünglichsten und natürlichsten Tonfolgen überhaupt.
Traditionelle Zeremonien und Heilung
Das Spielen der nordamerikanischen Indianerflöte reguliert den Atem und führt in einen Zustand der inneren Stille, der Achtsamkeit und des Gewahrseins des gegenwärtigen Moments. Gerade in der Trauer, wo Worte oft versagen, kann genau das kostbar sein.
Traditionell wurde sie für zeremonielle Zwecke und zur Heilung eingesetzt. Diese Verbindung zu Ritual und Übergang macht sie auch heute noch zu einem besonderen Begleiter in schweren Zeiten.
Ich finde es wunderschön, dass ein Instrument, das so einfach zugänglich ist, so tief tragen kann. Vielleicht ist das kein Zufall.
Wie beginnen?
Im Netz, auf YouTube gibt es viele Beiträge, in denen du erst einmal hören kannst, wie eine indianische Holzflöte klingt. Gleich nachdem ich die Mail von Walli mit ihrem Vorschlag bekommen habe, habe ich mir welche davon angehört und konnte sofort verstehen, was sie meint. Für mich hört sie sich so an, als würde meine Seele durch diese Töne direkt die Verbindung zum Verstorbenen finden können. Zumindest hatte ich das Gefühl, meine Gefühle bekommen Ausdruck und Raum.
Ich habe auch viele kleine Filmchen auf YouTube gefunden, in denen dir gezeigt wird, wie du die Flöte spielen und wo und zu welchem Preis du sie kaufen kannst, bzw. worauf du dabei achten solltest. Diesen Beitrag fand ich zum Beispiel sehr ansprechend: Klick!
R. Carlos Nakai bietet für kleines Geld einen Online-Kurs an: Klick! und wenn du dich davon überzeugen möchtest, dass er sein Instrument wirklich beherrscht, dann hör mal hier rein: Klick!
Hast du selbst Erfahrungen mit Musik in der Trauer – egal ob Hören oder Spielen? Ich freue mich über deine Gedanken dazu.
Wo und wie man die richtige Flöte findet
Wer sich für eine indianische Holzflöte interessiert, dem empfehle ich einen Blick auf Steinklang. Dort gibt es Flöten in verschiedenen Preisklassen – also nicht nur im hochpreisigen Bereich. Jede Flöte wird vor dem Versand geprüft, und es gibt ausführliche Informationen, welche Flöte zu wem passt. Das ist übrigens auch eine Frage der Körpergröße.
Besonders schön: Man kann Hörproben anhören und in sich hineinfühlen, welche Flöte einen wirklich anspricht – also mit welcher man in Resonanz geht. Wer die Flöte zusammen mit anderen Instrumenten spielen möchte, sollte auch die Tonlage im Blick haben. Dafür bietet Steinklang auch eine telefonische Beratung an, die offenbar wirklich sehr gut ist.
Mehr über mich und meine Angebote
Mehr über mich und meine Angebote zum Thema Krisen- und Trauerbegleitung und meine Bücher findest du unter trauerbegleiter.org. Dazu gehören auch Einzelcoachings, Online-Seminare und Seminar-Reisen. Für mein kostenfreies Newsletter-Magazin kannst du dich hier registrieren. Wenn du dich in einer schwierigen Lebenssituaion befindest, können dir manchmal ein paar Impulse auf deinem Weg in ruhigere Gefilde weiter helfen, den nächsten Schritt zu machen. Viele Hinweise findest du auf meiner Homepage unter „Impulse auf dem Weg“. Dann gibt es da noch den Podcast „Lebendig-Irgendwas geht immer“. Dort unterhalte ich mich mit Menschen, die im Bereich Krisen- und Trauer arbeiten oder selbst große Krisen und Verluste gemeistert haben. Und wenn du dich noch mehr zum Thema Krisen und Trauer informieren darüber möchtest, kannst du mal das Trauer-Radio einschalten. Neu hinzu gekommen sind die kostenfreien Gruppen bei WhatsApp, Telegram und Signal weiter unten. Hier gibt es Links zu Themen, die es nicht in meinen Newsletter oder auf meinen Blog geschafft haben, bzw. Nachrichten, wenn ich wieder etwas poste.
Hier kannst du die PDF für die Traumreise „Ich bin glücklich“ herunterladen, die du dir hier direkt anhören kannst. Verschiedene Traumreisen gibt es in meinen Büchern und Seminaren.

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