26. Oktober

Tages-Haikus selbst schreiben

Diese Woche geht es in den „Täglichen Impulsen“ um Trauer-Lyrik. Heute kannst du den Beitrag dazu auch auf dem öffentlichen Blog mitlesen, denn es geht darum, auch selbst ein oder mehrere Gedichte zu verfassen und dieser Impuls ist etwas ausführlicher. Hier schlage ich Tages-Haikus vor, denn sie sind zum Einstieg recht einfach.

Wer die „Täglichen Impulse“ auch lesen möchte, schreibt mir gerne eine Mail an eva.terhorst.berlin@gmail.com, um das Passwort zu erfahren.

Das Tages-Haiku

Viel wird mit der Kraft der Stille gearbeitet. Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, geht das aber nicht mehr so einfach, denn meistens ist die Stille die nun das Haus oder die Wohnung erfüllt, ziemlich unerträglich. Ein weiteres Zeichen dafür, dass nichts wie früher ist. Aber wie damit umgehen, denn unser Wunsch ist und bleibt, dass es uns bald besser gehen möge. Alte Strukturen sind weggebrochen, neue noch nicht da und im Übergang funktionieren die kleinen Hilfen auch nicht mehr wie gewohnt. Wie wäre es denn da statt dessen mit einem Tages-Haiku? Was ein Haiku ist, möchtest du wissen? Sie sind die kürzesten Gedichte der Welt und kommen aus Japan. Scheinbar banale Sätze werden aufgeschrieben. Im Normalfall geht es darum, sich die einfachen und unspektakulären Dinge im Leben bewusst zu machen. Themen die unsere Seele berühren, Momente, die bedeutungsvoll sind. In unserem Fall geht es darum, für uns selbst auf sehr direkte und unmittelbare Weise mit einzelnen Worten oder kurzen Wortfolgen unseren derzeitigen Zustand aufzuschreiben. Der Sinn ist auszudrücken, was gerade ist. Im Hier und Jetzt anzukommen, auch wenn wir nicht da sein wollen, wo wir gerade sind: auf unserem schmerzhaften Weg der Trauer. 

Beispiel: 

Montag 6.45 Uhr: Aushalten.

                    7.18 Uhr: Aushalten und überbrücken.

                    9.23 Uhr: Die große Frage nach dem Warum.

                  12.34 Uhr: der Schmerz verbrennt mich  

Was bringt es uns, etwas mehr im Hier und Jetzt anzukommen? Auszudrücken, was uns quält? Um los zu gehen, ist es hilfreich, wenn der Ausgangspunkt deutlich ist. Es hilft ebenso dabei „Ja“ zu unserem Schicksal zu sagen auch wenn wir uns wünschen, dass es anders verlaufen würde. Es kann dabei helfen, das Schicksal wieder mehr in unsere eigenen Hände zu nehmen, in dem wir für uns selbst Unaussprechliches aufschreiben und es uns vor Augen führen. Wir können dadurch erkennen, wo wir uns befinden und was wir durchmachen. Kurz und prägnant. Wie in vielen Fällen hilft die Wahrheit, ganz gleich, wie schwer sie ist. Sie anzuerkennen, ist der Weg und das Tages-Haiku kann dich dabei auf ganz unkomplizierte Art unterstützen. In der Rückschau wird dieses Dokument auch ein Nachweis für die vermutlich schwerste Zeit deines Lebens sein und ein Beweis dafür, was du geleistet hast, sie zu überstehen, bzw. sie zu überleben. Wir machen oft den Fehler, dass wir uns den gesamten weiteren Lebensweg, der noch vor uns liegt, vorstellen. Ohne unseren geliebten Menschen erscheint uns dieser aber als sinnlos, also versuchen wir erst gar nicht los zu gehen. Dennoch muss es irgendwie weiter gehen. Beginne mit deinem Überlebensweg. Martin Luther King sagte: „Mach den ersten Schritt im Vertrauen. Du brauchst nicht den gesamten Weg zu sehen. Mach einfach den ersten Schritt.“ 

Eine spielerische Variante: Nimm beispielsweise einen oder mehrere deiner Stichworte aus deinem Haiku und zeichne oder kritzele ihn in eine Ecke darüber darunter oder auf die Rückseite. Verziere dein Tages-Haiku. Gerne darfst du es auch über den Tag verteilt mit weiteren Haikus wie im Beispiel oben ergänzen. Besorge dir ein besonderes Heft oder Kladde-Buch, um sie dort aufzuschreiben und zu verzieren. Kaufe dir einen besonderen Stift. Vielleicht wolltest du dich schon immer gerne mit Kalligrafie beschäftigen. Mittlerweile gibt es sehr brauchbare Faserstifte, die sehr ähnliche Linien wie Kalligrafie-Pinsel hinterlassen. Sie sind zwar nicht so authentisch wie echte Kalligrafie-Pinsel aber dafür wesentlich alltagstauglicher. Sie werden auch Pinselstifte genannt und es gibt sie in verschiedenen Farben und Breiten von diversen Firmen wie Edding, Faber-Castell, etc.

Kommentar verfassen