Ein sehr persönlicher Adventskalender für Trauernde

Die erste Adventszeit ohne deinen geliebten Menschen

Der Adventskalender für Trauernde: Du hast einen geliebten Menschen verloren und musst nun zum ersten Mal die Adventszeit, Weihnachten und Neujahr ohne ihn verbringen. Manche Trauernde versuchen sich einfach zu vergraben und die Zeit irgendwie zu überstehen. Du kannst aber auch diese Zeit ganz intensiv für dich nutzen, indem du einen ganz besonderen sehr persönlichen Adventskalender gestaltest.

Ein ganz besonderer Adventskalender

Anna Bushart hat ihren Mann Till letztes Jahr am 24. Dezember verloren. An ihn täglich zu denken, ist für sie, wie für viele Trauernde ganz normal. Aber für diese Adventszeit wünscht sie sich einen ganz besonderen Umgang damit und hat sich diesen außergewöhnlichen Adventskalender ausgedacht, den ich hier vorstellen darf.

Schritt 1: 24 Zettel

Da es sich um Zettel handeln wird, die dich während der Adventszeit täglich begleiten werden und da es sich um eine kreative Erinnerungsarbeit an deinen geliebten Menschen handelt, dürfen es in diesem Falle ruhig Zettel aus besonderem Papier sein. Doch im Prinzip gehen alle Zettel, die du in deinem Haushalt vorfindest. Beispielsweise kannst du Briefumschläge nutzen in denen womöglich Trauer- und Trostkarten von lieben Freunden und Verwandten für dich steckten.

Schritt 2: Zeit für Erinnerungen

Nun nimmst du dir viel Zeit. Vielleicht machst du deine oder eure Lieblingsmusik an und bereitest dir einen schönen Tee. Du schließt deine Augen und begibst dich auf Erinnerungsreise. Es geht darum, 24 verschiedene Aspekte deines geliebten Menschen zu notieren. Was fandest du gut an ihm? Was mochtest du überhaupt nicht? Was hat dich aufgeregt oder entzückt? Das darf jetzt deine Zeit in Anspruch nehmen, denn all diese Dinge werden dich vom 1. – 24. Dezember täglich begleiten.

Wenn du Kinder hast, die vielleicht um ihre Mama, ihren Papa oder Oma oder Opa trauern, kannst du die Zettel mit ihnen gemeinsam füllen.

Schritt 3: Wohin mit den Zetteln?

Die Zettel zu falten und sie in einem schönen Glas aufzubewahren, ist eine Möglichkeit. Du kannst aber auch auf einer Leinwand eine Schnur in mehreren Bahnen spannen und mit kleinen Kämmerchen jeden Zettel einzeln und mit dem Geschriebenen nach hinten befestigen. Wenn du magst, kannst du auf die Rückseite die Ziffern 1 – 24 schreiben, damit es mehr nach einem Adventskalender aussieht. Und noch adventiger wird es, wenn du vorher die Leinwand mit einem weihnachtlichen Motiv bemalst oder mit entsprechendem Geschenkpapier oder so beklebst.

Schritt 4: Am 1. Dezember beginnt dein besonderer Adventskalender

Am 1. Dezember und an all den kommenden 23 Tagen entfaltest du je einen der Zettel oder drehst ihn um und erinnerst dich an diese Eigenschaft und du wirst staunen, was dir alles noch dazu einfällt.

Schritt 5: Schreib es auf

Hier ist es gut, wenn du schon ein Tagebuch zu Hause hast und dir gleich eine gewisse Schreibdisziplin vornimmst und angewöhnst. Denn bevor all deine Erinnerungen und deine Gefühle, die der Zettel in dir auslöst, wieder verschwinden, schreib bitte alles auf. Dabei darf es ruhig drunter und drüber und auch gänzlich durcheinander gehen. Das kann dann auch alles so unsortiert stehen bleiben. Wenn du dir aber etwas Ordnung wünschst, kannst du die Abschnitte mit Nummern markieren oder einen Farbindex anlegen und mit verschiedenen Farben oder Textmarkern arbeiten.

Schritt 6: Bring Farbe ins Spiel

Vielleicht kommen auch Gefühle zutage, die schwer in Worte zu fassen sind. Sollten Tränen fließen, ist das nicht nur normal, sondern gut. Leg einfach eine Pause ein, lass diese Gefühle an die Oberfläche kommen, lass sie durch dich hindurch fließen und dann machst du weiter. Schlucke sie bitte nicht runter und unterdrücke sie bitte auch nicht. Auch wenn es weh tut, bedenke: Das Schlimmste hast du schon überlebt.

Für den künstlerischen Teil könntest du dein Tagebuch so aufteilen, dass du auf der linken Seite malst oder zeichnest und auf der rechten Seite deine Gefühle notierst. Du kannst auch auf einem anderen Papier malen und das Ergebnis erst später in dein Tagebuch einkleben. Am besten benutzt du Kleberoller, dann wellt sich das Papier nicht so. Hier kannst du dich natürlich ausleben. Und immer schön im Hinterkopf behalten: Alles wird schöner durch Glitzer!

Schritt 7: Die Belohnung

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass nun das Wichtigste kommt, aber ich finde, eine Belohnung für deine kreative Erinnerungsarbeit, die du durchaus als heilsame Schreibimpulse bezeichnen kannst, ist ein krönender Abschluss. Das muss nicht zwingend Schokolade sein, obwohl die in den klassischen Adventskalendern zu finden ist.

Ich belohne mich beispielsweise gerne mit Mal-Utensilien. Aber ganz wichtig: Eine Belohnung muss sein und du solltest dir schon vor dem 1. Dezember im Klaren darüber sein, was du dir gönnen möchtest und es dann auch durchziehen. Also beim Belohnungsteil bin ich immer sehr sehr konsequent. Bitte sei das auch!

Schritt 8: Du möchtest nicht aufhören

Eigentlich tritt in der Regel schon nach 21 Tagen der Gewöhnung-Effekt ein. Wenn du also in den letzten Tagen gemerkt hast, dass dir diese Art von Schreib-Impulsen und Psychohygiene gut tun, dann schreib einfach weiter. Weite die Übung bis zum 31. Dezember aus, denn bis dahin stehen dir noch einige anspruchsvolle Tage bevor, die überstanden werden müssen. Und wenn du dann noch denkst, schreiben und malen helfen dir auch im Alltag, dann beginne dein neues Jahr genau damit.

Vielleicht nimmst du dir erst einmal den Januar vor und tust das, was die Meisten von uns zu Beginn des neuen Jahres tun: Neue Ziele setzen. Und dann schreibst du jeden Tag etwas darüber, was du nun ohne deinen geliebten Menschen tun und unternehmen wirst und malst dir das in den buntesten Farben aus.

Ich wünsche dir, dass du die kommende Zeit gut überstehst.

Mehr über mich und meine Angebote

Mehr über mich und meine Angebote zum Thema Krisen- und Trauerbegleitung und meine Bücher findest du unter trauerbegleiter.org. Dazu gehören auch EinzelcoachingsOnline-Seminare und Seminar-Reisen. Für mein kostenfreies Newsletter-Magazin kannst du dich hier registrieren. Wenn du dich in einer schwierigen Lebenssituaion befindest, können dir manchmal ein paar Impulse auf deinem Weg in ruhigere Gefilde weiter helfen, den nächsten Schritt zu machen. Viele Hinweise findest du auf meiner Homepage unter „Impulse auf dem Weg“. Dann gibt es da noch den Podcast „Lebendig-Irgendwas geht immer“. Dort unterhalte ich mich mit Menschen, die im Bereich Krisen- und Trauer arbeiten oder selbst große Krisen und Verluste gemeistert haben. Und wenn du dich noch mehr zum Thema Krisen und Trauer informieren darüber möchtest, kannst du mal das Trauer-Radio einschalten. 

Hier kannst du die PDF für die Traumreise „Ich bin glücklich“ herunterladen, die du dir hier direkt anhören kannst. Verschiedene Traumreisen gibt es in meinen Büchern und Seminaren.

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