Der magische Kalender: Die heiligen drei Könige

Der magische Kalender: Die heiligen drei Könige am 6. Januar

Die Heiligen Drei Könige – Wenn die stille Zeit ihren Segen gibt

Heute, am 6. Januar, enden die Rauhnächte. Die Heiligen Drei Könige ziehen durch die Straßen, Türen werden mit Kreide gesegnet, und die Kirche feiert das Fest der Erscheinung des Herrn – Epiphanias. Ein Fest des Lichts, das sich zeigt. Ein Fest der Ankunft nach langer Reise.

Vielleicht hast du in den vergangenen Wochen diese andere Reise gemacht. Nicht die durch hell erleuchtete Einkaufsstraßen und Weihnachtsmärkte, sondern die nach innen. In die stillen, dunklen, heiligen Nächte zwischen den Jahren. Dorthin, wo der Schmerz sein darf, wo Erinnerungen Raum haben, wo nicht gefeiert werden muss.

Eine Geschichte, die aus der Sehnsucht wuchs

Die Geschichte der Heiligen Drei Könige, wie wir sie kennen, ist eigentlich eine wunderbare Sammlung aus Sehnsüchten und Deutungen. Im Matthäus-Evangelium ist nur von „Magiern aus dem Morgenland“ die Rede – keine Namen, keine Zahl, keine Kronen. Erst über Jahrhunderte wurden daraus Caspar, Melchior und Balthasar. Drei Kontinente sollten sie repräsentieren, drei Lebensalter, drei Gaben für drei Aspekte des Menschseins: Gold für das Königliche in uns, Weihrauch für das Göttliche, Myrrhe für das Sterbliche.

Die Kirche verstand es meisterhaft, alte Weisheiten in neue Gewänder zu kleiden. Die germanischen Rauhnächte – jene zwölf heiligen Nächte, in denen die Wilde Jagd durch die Lüfte ritt, in denen die Grenze zwischen den Welten durchlässig wurde, in denen man orakelte und räucherte – sie wurden nicht verboten. Sie wurden umarmt und umgedeutet. Aus den Geistern der Ahnen wurden Engel, aus den Schutzzaubern wurde der Segen C+M+B (Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus).

Was die Menschen immer schon wussten – dass diese dunkle Zeit zwischen den Jahren besonders ist, dünn der Schleier, nah das Unsichtbare – das durfte bleiben. Es bekam nur einen neuen Namen.

Der Abschluss: Nicht Ende, sondern Schwelle

Die Heiligen Drei Könige markieren das Ende der Rauhnächte, aber vielleicht ist „Ende“ nicht das richtige Wort. Sie sind eher die, die das Tor wieder öffnen. Die Könige kamen von weit her, sie folgten einem Stern, sie suchten etwas Größeres. Und als sie fanden, was sie suchten, gingen sie einen anderen Weg zurück. Das darfst auch du.

Du bist durch diese Zeit gegangen – durch Advent und Weihnachten, die ohne den geliebten Menschen so unerträglich schwer sein können. Du hast dich bewusst einem anderen Rhythmus zugewandt: den Sperrnächten, die dir Zeit gaben, die Tür nach außen zu verschließen. Den Rauhnächten, die dir Raum gaben für das Raue, das Wilde, das Ungezähmte deiner Trauer.

Was du in diesen Nächten gefunden hast – in der Stille, im Räuchern, im Schreiben, in den Träumen, in der Zwiesprache mit denen, die nicht mehr da sind – das gehört jetzt zu dir. Das ist dein Gold, dein Weihrauch, deine Myrrhe. Das trägst du mit ins neue Jahr.

Der Segen für den Weg

Die Sternsinger schreiben heute ihren Segen über die Türschwellen. Die drei Könige folgten einem Stern – nicht einem Plan, nicht einem Ziel, das andere ihnen vorgaben. Sie folgten ihrer inneren Ausrichtung.

Vielleicht kann dir der Morgenstern, der sie leitete, auch im neuen Jahr ein Begleiter sein. Nicht als Wegweiser zu Zielen, die erreicht werden müssen. Sondern als stille Frage, die du dir immer wieder stellen darfst: Ist das hier meine Ausrichtung? Mein Gefühl? Meine Wahrheit? Oder folge ich gerade dem, von dem ich glaube, dass andere es von mir erwarten?

Der Stern zeigt keine Abkürzungen und verspricht keine schnellen Lösungen. Er fragt nur sanft: Bist du bei dir?

Du hast dich in einer sehr schweren und anspruchsvollen Zeit in deinem Leben auf die Magie der Rauhnächte eingelassen. Was du in diesen Nächten erlebt und aufgebaut hast – dieses zarte Gerüst aus Stille, Ritualen und der Erlaubnis, anders zu sein – das ist kostbar. Und ja, es ist auch zerbrechlich. Draußen wartet eine Welt, in der Trauer wenig Platz findet.

Deshalb dieser Segen als Schutz für das, was du dir mühsam erarbeitet hast damit du es immer als gute Basis mit dir trägst, wenn der Alltag versucht, deine Gefühle zu übertönen.

Vielleicht magst du dir heute einen Segen geben – oder ihn einfach annehmen:

Gesegnet sei der Weg, den du gegangen bist.
Durch die Dunkelheit, durch den Schmerz, durch die Sehnsucht.

Gesegnet sei das Licht, das du gefunden hast.
Klein vielleicht, flackernd manchmal, aber dein eigenes.

Gesegnet sei die Schwelle, auf der du jetzt stehst.
Zwischen dem, was war, und dem, was kommt.

Du musst nicht zurück in die „normale“ Welt stürzen. Du darfst einen anderen Weg nehmen als den, den alle erwarten. Die Könige taten es auch. In der biblischen Erzählung hatte König Herodes sie gebeten, ihm zu berichten, wo das neugeborene Kind zu finden sei – angeblich um es ebenfalls anzubeten, in Wahrheit um es zu töten. Doch die Weisen wurden im Traum gewarnt. Sie gehorchten nicht der Macht, nicht der Erwartung, nicht dem gefährlichen Auftrag. Sie kehrten nicht zu Herodes zurück, sondern schlugen einen anderen Weg ein.

Die Rauhnächte enden heute. Aber ihre Kraft, ihre Stille, ihre Erlaubnis, anders zu sein – die bleibt bei dir.

Danke, dass du diesen Weg mit mir gegangen bist. Danke für dein Vertrauen in diese alte, neue Art, durch die dunkle Jahreszeit zu gehen.

Möge das neue Jahr sanft mit dir sein.

Kurzer Überblick

Noch einmal zur Erinnerung: In den Sperrnächten geht es um die Rückschau auf die letzten 12 Monate, in den Rauhnächten auf die Vorausschau der kommenden 12. Monate.

Worum geht es genau?

Die Sperrnächte und Rauhnächte gehören zu den ältesten mitteleuropäischen Wintertraditionen. Ihre Wurzeln reichen zurück in vorchristliche Zeiten, als der Jahreswechsel nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich als Schwellenzeit verstanden wurde. Schon in frühen germanischen und alpenländischen Bräuchen galten diese Nächte als besondere Tore zwischen den Jahren – Momente, in denen das Alte „gesperrt“ oder abgeschlossen wurde, damit das Neue entstehen konnte.

Die 12 Sperrnächte (8.–19. Dezember) wurden in vielen Regionen als Zeit des „Wegschließens“ genutzt: Man sortierte aus, beendete offene Themen und bereitete sich auf die innere Reise der Rauhnächte vor. Die später folgenden Rauhnächte (24. Dezember bis 6. Januar) wurden traditionell als Zeit des Innehaltens, der Träume, der Reinigung und der Rückschau gesehen. Manche Bräuche schauen auf das Mondjahr mit seinen 354 Tagen und die Lücke von 12 Nächten zum Sonnenjahr – und sagen: Diese 12 Nächte gehören keinem Jahr. Sie sind Zwischenraum. Dazwischen, am 21. Dezember ist die Wintersonnenwende, die in dieser Zeit eine ganz besondere Rolle spielt.

Geführt, gefeiert oder begangen werden Sperr- und Rauhnächte heute in vielen Regionen Deutschlands, Österreichs, Südtirol, der Schweiz sowie Teilen Skandinaviens – teils spirituell, teils kulturell, teils als rein persönliche Jahresrituale. Trotz aller regionalen Unterschiede bleibt der Kern seit Jahrhunderten gleich: eine bewusste Reise nach innen, ein Abschluss des Vergangenen und ein achtsames Willkommen des Kommenden.

Ergänzung in der Adventszeit

Warum das eine hilfreiche Alternative in Trauer- und Krisensituationen zur Adventszeit sein kann, habe ich das alles in diesem Blogpost erklärt: Klick! Und wenn du keinen Tag davon verpasssen möchtest, kannst du dich in einer meiner Gruppen bei WhatsAppSignal oder Telegram kostenfrei anmelden.

Der magische Kalender als Tagebuch

Zur Unterstützung und um sich auf die nächsten Tage darauf einzulassen, empfehle ich ein Tagebuch zu führen. Dazu habe ich auch ein magisches Tagebuch für diese Zeit erstellt. Du findest darin ein Blatt für jeden Tag und für die Rück- und Vorschau jeweils Fragen, die dir helfen können, dich auf dieses Jahrtausende alte Ritual einzulassen. Hier kannst du es kostenfrei downloaden:

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