Comedy bei Trauer

Comedy kann auch bei Trauer dazu beitragen, dass die Stimmung etwas heller wird.

Als mein Freund 2006 an Krebs verstarb, hatten wir eine sehr tragische und sorgenvolle Zeit hinter uns. Der schwere Kampf um sein Leben hat alles von uns gefordert. Dass diese enormen Anstrengungen mit dem Tod endeten, war nahezu unerträglich.

Ohne ihn weiter leben zu müssen und auch dass ich schlagartig nach Toms Beerdigung in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nicht mehr statt fand, war sehr schwer für mich.

Schon während der langen Krankheit meines Freundes und auch in seiner Sterbezeit, haben wir ganz konsequent darauf geachtet, immer, wenn es möglich war, Comedians im Fernsehen zu schauen. Auch wenn wir alles andere als fröhlich waren und auch nicht wirklich, selbst bei den lustigsten Gags, vor Lachen vom Stuhl gefallen sind, hat diese einfache, manchmal auch wirklich plumpe Leichtigkeit, ihre Wirkung auf uns gehabt.

Auch alleine zu lachen, macht Sinn

Als ich alleine zurück blieb, habe ich diese Maßnahme beibehalten. Auch wenn nichts von all dem Spaß bei mir wirklich ankam, habe ich darauf vertraut, dass diese unbändige Fröhlichkeit im Hintergrund an meine damals verschüttete Lebensfreude unbemerkt anknüpft. Es hat sehr sehr lange gedauert, bis mir damals quasi aus Versehen, doch ein Lachen entwischt ist. Es war ein wirklich flacher Gag, der mich da völlig unvorbereitet erreicht hat. Und noch heute bin ich für diesen kleinen Moment sehr dankbar.

Natürlich hätte ich gerne mein erstes Lachen für einen etwas gehobeneren Witz übrig gehabt. Einerseits war ich erschrocken darüber, dass dieses Lachen einfach so aus mir herausbrach und zum anderen war ich unglaublich erleichtert, dass ich doch noch in der Lage war, wenn auch nur kurz, zu lachen. Bis mein altes Lachen zurückkehrte, dauerte es auch dann noch gefühlt sehr lange, aber es war ein Anfang.

Ganz besonders an den Feiertagen

Als Trauerbegleiterin werde ich oft danach gefragt, was helfen kann. Ganz besonders jetzt an den Feiertagen, in der dunklen und kalten Jahreszeit empfehle ich unter anderem genau das: Schau dir lustige Sachen an, egal ob du sie lustig findest oder die Witze verstehst. Mach es so oft wie du kannst und suche gezielt im TV-Programm danach. Programmiere dir die Sendungen und schaue sie dir ruhig öfter an. Bei mir war es so, dass ich mich in der Trauerzeit immer nur sehr kurz auf etwas konzentrieren konnte, so dass mir locker mehr als die Hälfte des Spaßprogrammes entgangen ist.

Mein Motto: Mehr ist mehr!

Warum ist „Mehr ist mehr!“ in der Trauer so wichtig?

Solange wir ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen haben, bringt uns der Verlust eines geliebten Menschen in großem Ausmaß in den Mangel. Wirklich helfen würde uns nur, wenn die Tür aufginge und der Verstorbene unversehrt wieder bei uns wäre. Dann kommt ganz lange nichts, was helfen könnte. Da wir uns aber auch ohne unseren geliebten Menschen in der übrig gebliebenen Welt irgendwann wieder zurecht finden möchten, gibt es durchaus die eine oder andere Kleinigkeit, die etwas helfen könnte.

Da die Trauer so unerbittlich auf unserer Seele liegt und wir den Verlust als großen Mangel empfinden, braucht es, was die Seele betrifft, mehr Maßnahmen als gewohnt, um wieder in ruhigere Gewässer zu gelangen oder um die Welt wieder als bunt und freundlich zu empfinden. Daher ist es bei meinem Tipp ganz sicher nicht mit einer lustigen Sendung getan. Nein, es sollte schon gefühlt in Richtung inflationärem Comedy-Watching ausarten. Erst wenn du denkst, dass du es total damit übertreibst, bist du halbwegs auf der richtigen Spur.

Außerdem ist dieser Tipp sehr leicht umzusetzen, ist nicht teuer und tut auch nicht weh. Also nix wie hin zum Fernsehprogramm, losprogrammiert und angeschaut.

Wie bei so vielen unspektakulären Hinweisen, wird auch diese Maßnahme unterschätzt. Daher kann ich nur dafür plädieren, es unbedingt auszuprobieren. Auch traurige Menschen dürfen lachen!

Mein derzeitiges Lieblingsformat ist auf YouTube: „Lippes Leselust“ Staffel 3 1. + 2. Folge mit Jürgen von der Lippe und Torsten Sträter. Klick!

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