Katharina Hohmann

Katharina Hohmann ist die 5. in der Serie „Was machen TrauerbegleiterInnen eigentlich in ihrer Freizeit?“, die ich euch vorstelle. Sie ist in ihrem Hauptberuf Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung. Derzeit arbeitet sie als Honorardozentin an der Johanniter Akademie in Hannover, wo sie angehende NotfallsanitäterInnen in den psychologischen Themenbereichen ausbildet und für die Belastungen in ihrem Beruf vorbereitet. Daneben ist sie in einer psychosomatischen Reha-Klinik psychotherapeutisch tätig und belegt für die psychotherapeutische Ausbildung an den Wochenenden Seminare um die Ausbildung zur Psychotherapeutin abzuschließen.  

Doch meinem eigentlichen Herzensthema geht sie in ihrer Freizeit nach: der Trauerarbeit. Seit Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in verschiedenen Trauergruppen sowie der Einzelbegleitung. Der Ursprung dieses Engagements liegt vermutlich in ihrer Biographie: im Kindesalter verlor sie einige nahe Angehörige und war somit früh mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert. Unter anderem beging ihr Großvater Suizid als sie 8 Jahre alt war. 

Dies legte vermutlich den Grundstein für ihr Herzensprojekt „Eule Milly und ein Koffer voller Fragen“. Ein Bilderbuch, welches sich auf kindgerechte Weise mit dem Thema Suizid auseinandersetzt, wichtige Gefühle und Erlebnisse anspricht und Fragen stellt. Aber vielleicht beginnen wir von Anfang an: 

Im Zeitraum von 2017 und 2018 entschied sie sich neben ihrem Psychologiestudium für eine Ausbildung als Trauerbegleiterin für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, um ihre ehrenamtliche Arbeit weiter zu fundieren. Während der Ausbildungszeit trat das Thema Suizid ganz aktuell in ihr Leben: der Vater einer verwandten und sehr eng befreundeten Familie nahm sich im November 2017 das Leben. Sie hatte sich durch die Arbeit am Krisentelefon des Vereins für Suizidprävention, einem Suizidpräventionsprojekt für Schüler sowie im Rahmen ihres Studiums in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, doch nun bekam die eher wissenschaftliche Betrachtung wieder eine emotionale Prägung… 

Zur Ausbildung als Trauerbegleiterin gehört eine ausführliche Buchvorstellung. Nach dem Ereignis lag es nahe, dass sie sich mit Literatur aus dem Bereich der Trauer nach Suizid auseinandersetzte. Leider fand sie erschreckender Weise kaum passende Bücher für das Alter von Grundschulkindern. Erstaunlich, weil jedes Jahr um die 10.000 Menschen durch Suizid versterben und nicht wenige Kinder als Angehörige um diese trauern. Sie selbst kann sich auch heute mehr als 20 Jahre später noch gut an die Sprachlosigkeit ihrer Eltern erinnern, als sie ihr vom Suizid ihres Großvaters berichteten. Um geeignetes Material für solche Momente zur Verfügung zu haben und die erste Sprachlosigkeit zu überwinden entstand die Idee für „Eule Milly und ein Koffer voller Fragen“. 

Auch hier war die Ausbildung zur Trauerbegleiterin wiederum Nährboden für die Idee eines Kinderbuches. Zur Ausbildung gehört nämlich auch eine ausführliche Abschlussarbeit, kurzerhand entschied sie sich diese zur Entwicklung eines geeigneten Kinderbuches zu nutzen. Sie konnte ihre Schulfreundin Carolin Gallacher, die inzwischen als Künstlerin und Illustratorin arbeitet, schnell für dieses Projekt gewinnen. In einem gemeinsamen Prozess entwickelten die beiden ein wunderschönes, einfühlsames und aufklärendes Kinderbuch zur Trauer nach Suizid. 

Ein Kinderbuch, welches sie ihren Eltern vor über 20 Jahren als Hilfestellung gewünscht hätte. Ein Kinderbuch, welches nun vielleicht eine kleine Unterstützung für betroffene Familien, LehrerInnen, TherapeutInnen und PädagogInnen sein kann, dieses schwere Thema greifbarer zu machen. Welches Kindern das Gefühl gibt, nicht alleine damit zu sein und das vor allem dazu beiträgt, das Thema Suizid aus dem Tabu-Bereich herauszuholen. Denn das ist ein großes Ziel ihres Engagements in der Trauerarbeit und das ist es, was sie in ihrer Freizeit prägt. 

„Eule Milly“ liegt ihr sehr am Herzen, ermöglicht es ihr Lesungen, Workshops und Fortbildungen zu halten und über das Thema Kindertrauer nach Suizid aufzuklären sowie ein Bewusstsein dafür zu schaffen. „Reden anstatt zur schweigen, fragen anstatt zu ignorieren“ sollte ihrer Meinung nach auch für unsere Kleinsten gelten.