Website-Icon Eva Terhorst – Krisen- und Trauerbegleiterin

12. Juni – Tag des Tagebuchs

Schreiben in der Trauerzeit

Am Tag des Tagebuchs möchte ich gerne darauf aufmerksam machen, dass es nach dem Verlust eines geliebten Menschen, ein Tagebuch zu führen, dabei helfen kann, die Seele zu entlasten. Alles darf anvertraut werden. Dazu gehören nicht nur Gefühle wie Liebe und gute Erinnerungen, sondern auch die schweren Emotionen, wie Schuld, Wut, Ärger, Verzweiflung und natürlich Trauer.

Den Tod begreifen

Wenn ein Mensch stirbt, erfordert es von unserem Gehirn, unserer Seele und unserem Herzen eine große Kraft, den Tod zu begreifen und ins eigene Leben zu integrieren. Da wir uns meistens weigern, dieser unliebsamen Realität zuzustimmen, dass das Leben endlich ist und auch Kinder und Menschen vor ihrem 100. Geburtstag sterben können, kann es sich besonders schwer anfühlen, den Verlust zu akzeptieren. Je nachdem wie intensiv unser Verhältnis zum Verstorbenen war, kann es Jahre dauern, bis unser Innerstes sich daran gewöhnt und anerkannt hat, dass es nie wieder so sein wird, wie es war.

Unterstützung

Weil es so schwer ist und wir nicht in der Schule und oft auch im sozialen Umfeld oder in der Familie, bevor wir jemanden verlieren, gezeigt bekommen, wie wir Trauer zulassen und bewältigen können, stehen die meisten Hinterbliebenen hilflos da und wissen nicht, was ihnen gerade passiert. Wir sind es nicht gewohnt, so viele intensive und schwere Gefühle gleichzeitig zu haben, während in unserem Gehirn zeitgleich ein riesiger Umbau unter den Synapsen und Neurotransmittern stattfindet. Genauer erkläre ich das in meinem Buch „Das erste Trauerjahr“.

Daher empfehle ich generell, sich auf so vielen Ebenen wie möglich, Unterstützung zu suchen. Dazu können gehören Trauerbegleitung, Psychotherapie, Trauerreisen und Seminare, Trauergruppen, Trauer-Kuren, kreative Erinnerungsarbeit und das Schreiben eines Tagebuchs.

Trauer nimmt viel Platz ein

Generell erscheint uns der Verlust eines geliebten Menschen so groß, dass wir uns nicht vorstellen können, jemals damit klar zu kommen. Trauernde berichten oft, dass es sich für sie so anfühlt, als würde die Trauer nie wieder besser werden. Das verstehe ich gut, denn so hat es sich damals für mich auch angefühlt. Mit aller Kraft habe ich mich am Gedanken festgehalten, dass es irgendwann besser werden muss, denn sonst würden auf diesem Planeten fast alle Menschen in einem Trauer-Dauerzustand sein.

Trauer braucht Zeit

Trauer braucht viel Zeit und es gibt den Spruch „Zeit heilt alle Wunden“. Das stimmt leider nicht ganz, denn wenn wir uns einem der intensivsten Gefühle, das wir haben können, nicht stellen, dann kann es später zu Depressionen führen. Daher empfehle ich, die Trauerzeit zu nutzen. Statt diese Zeit, weil sie sich so traurig anfühlt, abzulehnen, können wir sie annehmen und schauen, ob da nicht auch etwas darin verborgen liegt, was uns hilft, zu wachsen oder unseren eingeschränkten Blick auf unser schweres Schicksal zu erweitern.

Trauer ist lebendig

Sich zu verlieben oder die Geburt eines Kindes sind unglaublich starke Gefühle. Diese haben wir gerne, weil wir sie als positiv bewerten. Wenn jemand stirbt, bewerten wir das Ereignis und die dazugehörigen Emotionen automatisch als negativ. Das Ganze fühlt sich sogar so schlimm an, dass wir uns oft mit aller Kraft dagegen stemmen. Leider wird die ganze Angelegenheit dadurch noch schmerzhafter und schwieriger. Wenn wir schon den Tod des geliebten Menschen nicht akzeptieren wollen, so können wir wenigstens die Trauer um diesen Menschen annehmen und erkennen, wie lebendig unsere Gefühlswelt dadurch gerade ist.

Trauer ist Liebe

Die Anerkennung, dass wir jemanden verloren haben, dass unser Leben weit neben unserer Vorstellung einer perfekten Biografie liegt und zu begreifen, dass wir nicht alles lenken und kontrollieren können, ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Trauerzeit. Das braucht Zeit und auch Unterstützung. Vor allem braucht es Mut und die sichere Annahme, dass wir dadurch die Liebe zu unserem Verstorbenen nicht verlieren werden. Das ist das, was Trauernde oft befürchten. Aber die Liebe vergeht nie. Wir gewöhnen uns lediglich mit der Zeit daran, ein Leben ohne den geliebten Menschen zu führen ohne dass es uns ständig das Herz zerreißt.

„Ja“ zum Schicksal sagen

„Ja“ zum Schicksal zu sagen ist leicht, wenn alles gut läuft. Wenn es aber Schwierigkeiten gibt oder sogar ein geliebter Mensch stirbt, erschüttert uns das und Vieles, wenn nicht Alles, fühlt sich so an, als sei es in Frage gestellt. Das Schicksal ist immer das der anderen, bis es uns selbst trifft. Dann damit zurecht zu kommen, Schicksalsschläge zu integrieren, an ihnen zu wachsen und schlussendlich „Ja“ zu ihnen zu sagen, ist eine der größten Herausforderungen die wir so gut wie nie selbst gewählt haben, die uns das Leben bietet. Also macht es Sinn, dieser Aufgabe viel Aufmerksamkeit und Unterstützung zu bieten, um gut daraus hervorgehen zu können.

Eine unterschätzte Maßnahme

Seit Jahrhunderten – wahrscheinlich seit es Papier und Tinte gibt oder womöglich schon eher – wird Tagebuch geschrieben. Meine erste Erinnerung daran ist, als ich als kleines Mädchen den Film „Meuterei auf der Bounty“ an einem Sonntag Nachmittag gesehen habe und Kapitän Bligh ein Logbuch führte in dem er unter Anderem die dramatischen Ereignisse seiner Pionierfahrt fest hielt. Aber auch etwas später war ich sehr vom „Tagebuch der Anne Frank“ berührt. Ich war sofort davon fasziniert, Geschehnisse aufzuschreiben. Man kann ja nie wissen, wozu es einmal gut sein wird. Auf jeden Fall kann es dazu dienen, Dinge ganz nüchtern zu dokumentieren, Ereignisse festzuhalten oder tiefste Gefühle anzuvertrauen. Dabei kommt diese Maßnahme so einfach und unkompliziert daher, dass wir sie leider gar nicht wirklich ernst nehmen.

Psychohygiene

Das Schreiben eines Tagebuchs dient nachweißlich unserer Psychohygiene. Warum nutzen wir also diese Möglichkeit nicht öfter? Gedanken, die ständig in unserem Kopf kreisen, können wir etwas beruhigen, indem wir sie auf Papier bringen. Dabei wird tatsächlich immer wieder unterschätzt, dass dies unsere Seele entlasten kann. Natürlich bringt das Tagebuchschreiben nicht unseren geliebten Menschen zurück und es nimmt uns nicht die Trauer. Aber es hilft uns dabei, dass wir uns besser auf unser Schicksal und den zutiefst abgelehnten Ist-Zustand einlassen können.

Was hemmt beim Schreiben?

Wie ein Tagebuch zu führen ist, davon haben wir bestimmte Vorstellungen, die uns dann, wenn wir damit beginnen möchten, oft daran hindern unsere Gefühle einem leeren Blatt Papier anzuvertrauen. Ein weißes Blatt erinnert sehr an die Klassenarbeiten in der Schule. Es gab genaue Vorgaben, die wir einhalten mussten, um gute Noten zu erhalten. Für Manche schon damals furchtbar und heute immer noch ein Hemmnis mit dem Schreiben zu beginnen.

Mich hat beispielsweise lange die Vorstellung gestört, dass jemand irgendwann einmal lesen könnte, was ich geschrieben habe. Bewusst für andere zu schreiben hingegen, habe ich immer als sehr leicht empfunden. Also habe ich mir die Möglichkeit offen gelassen, meine persönlichen Aufzeichnungen, die nur mich etwas angehen, auch verbrennen zu dürfen, wenn die Sorge bestehen bleibt, dass mein Geschriebenes nicht nur mir vorbehalten bleibt. Übrigens hat sich auch dieser Gedanke während des vielen Schreibens verflüchtigt und nur die Tagebücher der ersten Trauerzeit, als da noch viel Wut drin steckte, habe ich tatsächlich dem Reißwolf überlassen.

Was kann helfen?

Es gibt einige Möglichkeiten, die gute alte weiße Seite so zu behandeln, dass wir uns trauen, sie zu beschreiben. Hier einige Vorschläge:

Was hält am Meisten davon ab, zu schreiben?

Ich denke, dass uns oft am Meisten blockiert, dass wir glauben, wir können nicht schreiben und / oder hätten nichts Wichtiges zu sagen.

Und soll ich dir etwas verraten? Das ist völlig egal, denn es geht einzig und alleine darum, deine Seele zu entlasten und einfach los zu schreiben. Aber auch das ist nicht immer leicht und daher schlage ich vor, wenn du einfach nur die Schreibblockade überwinden möchtest, buchstäblich mit „Blablablaba“ zu beginnen und dann mit „Ich weiß einfach nicht, was ich schreiben soll.“, weiter zu machen und wenn es dann immer noch nicht läuft, kannst du einfach Sätze aufschreiben, die deine Gedankenwelt über diesen holprigen Schreibvorgang wieder geben. Das könnte so aussehen: „Ich bin genervt, dass ich nicht nur alleine bin, jetzt muss ich auch noch meine Gefühle aufschreiben, die mich sowieso schon fix und fertig machen. Was soll das überhaupt bringen? Meinen geliebten Menschen bringt es sowieso nicht zurück. Diese ganzen Klugscheißer, die einem erzählen, was man machen soll, damit es einem besser geht, regen mich total auf. Ich habe schon so viel probiert und nichts hilft mir …“.

Und wenn dir das gelingt, dann hast du genau das bewerkstelligt, um was es geht: Du hast damit begonnen, deine Seele zu entlasten. Mach einfach damit weiter und verschaffe deinem Innenleben Luft. Möglichst täglich und wenn ich mir etwas von dir wünschen dürfte, bitte morgens und abends.

Trauertagebuch

Weil das alles nicht so einfach ist, habe ich ein Trauertagebuch „Damit das Leben wieder heller wird“ geschrieben. Entstanden ist es in meiner eigenen Trauerzeit, als ich alles Mögliche versucht habe, damit es mir wieder besser geht und der Patmos Verlag hat es netterweise veröffentlicht.

Oft liegt die Traurigkeit so schwer auf unserer Seele, dass uns gänzlich der Antrieb für irgendetwas fehlt. Sogar nur ein paar Sätze zu schreiben, kommt uns manchmal unüberwindbar vor.

Daher habe ich ein Schema entwickelt, das es dir erleichtert, Zugang dazu zu finden, deine Gefühle zu notieren. Jeden Morgen und jeden Abend bekommst du Vorschläge und brauchst teilweise nur anzukreuzen, wie es dir gerade geht. Wenn du mehr schaffst, ist da Platz für einige Sätze. Gelingt dir noch mehr, dann kannst du dir ein ganz normales Blanko-Buch oder einfach nur ein Schulheft, einen Block, Kopierpapier aus dem Drucker, oder was auch immer herumliegt, zu schnappen und weiter schreiben.

Ich verschenke heute 5 meiner Trauertagebücher

Zur Feier des Tages des Tagebuchs verlose ich ab heute 12. bis 16. Juni um 24 Uhr, innerhalb von Deutschland fünf meiner Trauertagebücher. Wenn du in den Lostopf hüpfen möchtest, schreib mir gerne an info@eva-terhorst.de eine Mail mit dem Betreff „Trauertagebuch“ und deine Adresse. Am Montag werde ich dann alle Zusendungen auf kleine Zettelchen schreiben und meinen Kater „Otsche“, der bundesweit als unabhängiger Losezieher bekannt ist, seinen Job machen lassen. Danach werden die Gewinnerinnen von mir informiert und ab geht die Post.

Mehr über mich und meine Angebote

Mehr über mich und meine Angebote zum Thema Krisen- und Trauerbegleitung und meine Bücher findest du unter trauerbegleiter.org. Dazu gehören auch EinzelcoachingsOnline-Seminare und Seminar-Reisen. Für mein kostenfreies Newsletter-Magazin kannst du dich hier registrieren. Wenn du dich in einer schwierigen Lebenssituaion befindest, können dir manchmal ein paar Impulse auf deinem Weg in ruhigere Gefilde weiter helfen, den nächsten Schritt zu machen. Viele Hinweise findest du auf meiner Homepage unter „Impulse auf dem Weg“. Dann gibt es da noch den Podcast „Lebendig-Irgendwas geht immer“. Dort unterhalte ich mich mit Menschen, die im Bereich Krisen- und Trauer arbeiten oder selbst große Krisen und Verluste gemeistert haben. Und wenn du dich noch mehr zum Thema Krisen und Trauer informieren darüber möchtest, kannst du mal das Trauer-Radio einschalten. 

Hier kannst du die PDF für die Traumreise „Ich bin glücklich“ herunterladen, die du dir hier direkt anhören kannst. Verschiedene Traumreisen gibt es in meinen Büchern und Seminaren.

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