Die Trauer zur Freundin machen

Mittlerweile ist es für mich so normal, mit meiner Trauer befreundet zu sein, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, was es bei akut Trauernden auslösen kann, wenn ich den Vorschlag mache, sich mit ihr auf positive Weise zu befassen.

Wer mich kennt, weiß, dass die Trauer, obwohl ich privat und beruflich viel mit ihr zu tun habe, keinesfalls meine Lebensfreude mindern konnte. Im Gegenteil – manche würden ehr bestätigen, dass sie ehr verstärkt wurde. Natürlich war das nicht von heute auf morgen so. Wie so vieles Wichtige war das nur durch einen arbeitsreichen Prozess möglich. Unterwegs wusste ich oft nicht, ob es überhaupt klappen würde. Im Prinzip kann dies in drei Schritten klappen:

  1. Ganz mutig hatte ich mit dem ersten Schritt begonnen: Ich sträubte mich von Mal zu Mal weniger, wenn so eine Trauer-Welle wieder drohte, über mich zu rollen. Jemandem, der das noch nicht erlebt hat, kann man kaum beschreiben, wie schlimm sich diese Momente und die Gefühle, die sie mit sich bringen, anfühlen können. Daher ist es verständlich, dass wir, sobald wir merken, dass es wieder los geht, alle Widerstände dagegen mobilisieren. Dies in jenen Augenblicken bewusst zu unterlassen, erfordert eine hohe Konzentration und den Willen dazu. Selbst in dieser herausfordernden Situation mit der Welle zu gehen, ist sinnvoll.
  2. Der nächste Schritt ist, die Trauer, sobald sie sich zeigt, freundlich zu begrüßen: „Da bist du ja wieder!“ Anfangs fällt das schwer, denn wir verbinden mit ihr den Verlust unseres geliebten Menschen und vergessen, dass sie eigentlich immer und überall zum Leben dazu gehört. Unser Verstand weiß das natürlich aber unser Seelenleben fühlt sich ihr in diesen Momenten hilflos ausgeliefert. Sie zu begrüßen, vielleicht sogar freundlich oder etwa neugierig, ist eine Möglichkeit, ihr einen anderen Platz zuzuweisen.
  3. Gelingt dies, empfehle ich, sich mit der Trauer zu unterhalten und sie zu fragen, was sie braucht. Wenn sie dann tatsächlich so etwas wie eine Freundin werden durfte, wissen wir automatisch, wenn sie auftaucht, dass wir in der letzten Zeit vermutlich vergessen haben, uns auf uns selbst und auf das, was uns wirklich wichtig ist, zu konzentrieren.

Wenn dieser Punkt erreicht ist, möchte man auf die Trauer nicht mehr verzichten, auf den Verlust schon. Die Ente als Krafttier, über die ich weiter unten geschrieben habe, hilft dabei.